Für viele Familien mit Kindern aus dem Autismus-Spektrum – insbesondere mit einer Asperger-Diagnose – ist das Thema Essen weit mehr als eine alltägliche Frage von Geschmack oder Vorlieben. Es ist oft eine zentrale Herausforderung im Alltag, die Außenstehende nur schwer nachvollziehen können.
Kinder mit Asperger-Autismus essen häufig sehr selektiv. Das bedeutet: Es werden nur ganz bestimmte Lebensmittel akzeptiert – oft nicht nur eine Produktkategorie, sondern exakt ein konkretes Produkt eines bestimmten Herstellers, in einer bestimmten Rezeptur, Konsistenz, Farbe oder sogar Verpackung. Schon kleinste Abweichungen können dazu führen, dass ein Lebensmittel komplett abgelehnt wird.
In der Autismus-Ambulanz wurde uns einmal ein besonders eindrücklicher Fall geschildert: Ein Kind aß über einen langen Zeitraum ausschließlich Nudeln mit einer ganz bestimmten Tomatensauce eines Herstellers. Keine andere Sauce wurde akzeptiert. Als dieser Hersteller das Produkt aus dem Sortiment nahm, standen die Eltern plötzlich vor einem massiven Problem. Das Kind verweigerte andere Alternativen konsequent – mit allen Konsequenzen für Ernährung, Stresslevel und familiären Alltag.
Solche Situationen sind keine Ausnahmen, sondern für viele betroffene Familien bittere Realität.
Essen ist Sicherheit – nicht Gewohnheit
Für neurotypische Menschen ist Essen oft flexibel: Man probiert etwas Neues aus, wechselt Marken oder passt sich an das Angebot im Supermarkt an. Für viele Autisten ist das anders. Bestimmte Lebensmittel geben Sicherheit, Struktur und Vorhersehbarkeit. Sie sind ein fester Bestandteil des Alltags – manchmal sogar ein Anker in einer ansonsten reizüberfluteten Welt.
Wenn genau diese Produkte plötzlich nicht mehr verfügbar sind, entsteht nicht einfach Unmut, sondern echter Stress. Für das Kind, aber auch für die Eltern. Diskussionen, Verweigerung, Hunger, emotionale Überforderung – all das kann die Folge sein.
Wenn wirtschaftliche Entscheidungen Familien treffen
Ein weiteres Beispiel, das vielen Eltern noch gut in Erinnerung ist: Vor einigen Jahren kam es zu einem Streit zwischen großen Handelskonzernen und dem Hersteller Kellogg’s. Bestimmte Produkte waren zeitweise nicht mehr erhältlich. Für viele Familien war das ein Ärgernis – für Eltern von Asperger-Kindern jedoch ein echtes Problem.
Es gab Kinder, die am Wochenende fest eingeplant ihre Kellogg’s-Produkte essen durften. Diese feste Struktur war Teil ihres Wochenrhythmus. Als die Produkte plötzlich aus den Regalen verschwanden, brach diese Sicherheit weg. Das führte zu Frust, Überforderung und Konflikten – nicht, weil die Kinder „nicht wollten“, sondern weil sie nicht konnten.
Aktuelles Beispiel: Maggi und der Kartoffelauflauf
Ähnlich gelagert ist eine aktuelle Entwicklung: Der Hersteller Maggi scheint sein Sortiment zunehmend auf Airfryer-Produkte umzustellen. Dabei geraten klassische Produkte offenbar ins Hintertreffen.
Ein konkretes Beispiel ist der Kartoffelauflauf von Maggi. Dieser ist in vielen Filialen von REWE, EDEKA und METRO aktuell nicht mehr erhältlich. Für viele Verbraucher ist das vielleicht nur eine kleine Unannehmlichkeit – für Familien mit Asperger-Kindern kann es jedoch zu einem ernsthaften Alltagsproblem werden.
Umso erleichternder war es für uns, das Produkt noch über Amazon zu finden. Über diesen Affiliate-Link ist der Kartoffelauflauf derzeit noch verfügbar:
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Warum „einfach ersetzen“ keine Lösung ist
Häufig hören Eltern in solchen Situationen gut gemeinte, aber wenig hilfreiche Ratschläge wie:
„Dann probiert doch einfach etwas anderes.“
Genau hier liegt das Missverständnis. Für viele Autisten ist ein Produktwechsel keine Kleinigkeit, sondern eine massive Veränderung. Geschmack, Textur, Geruch oder sogar das Mundgefühl können völlig anders wahrgenommen werden. Das hat nichts mit Trotz oder Erziehung zu tun, sondern mit neurologischer Verarbeitung.
Mehr Bewusstsein in der Gesellschaft notwendig
Das Thema zeigt sehr deutlich, warum unsichtbare Behinderungen mehr gesellschaftliches Bewusstsein brauchen. Während körperliche Einschränkungen oft sofort erkannt werden, bleiben solche Alltagsprobleme häufig unsichtbar – und werden dadurch unterschätzt.
Essen ist ein Grundbedürfnis. Wenn genau dieses Grundbedürfnis durch äußere Faktoren wie Sortimentsumstellungen oder wirtschaftliche Entscheidungen gefährdet wird, brauchen betroffene Familien Verständnis, Unterstützung und Flexibilität – keine Belehrungen.
Fazit
Selektives Essen bei Asperger-Autisten ist keine Phase und keine Marotte, sondern Teil der Behinderung. Produktverfügbarkeiten können über Stabilität oder Stress im Alltag entscheiden. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig Alternativen zu sichern, Produkte zu bevorraten – und vor allem: das Thema ernst zu nehmen.
Mehr Bewusstsein bedeutet auch, solche Zusammenhänge sichtbar zu machen. Genau dazu soll dieser Beitrag beitragen.